Lernfeld 5 · Lernsituation 2 · Einführung

Konjunktur verstehen – der Konjunkturzyklus

Grundlage: Informationsband Kap. 2.3 „Konjunkturzyklus“ (S. 444–447) Modellbetrieb: Markgraf Brunnen GmbH · Hinführung zu Arbeitsauftrag 6
BBS Lingen Wirtschaft
Studienrat Gert Niehaus, M. Ed.an den BBS Lingen Wirtschaft
Worum geht es?

Von Frau Arnolds Konjunkturbarometer zu euren Entscheidungen

Alle Analysen zur Marktsituation sind auch in Abhängigkeit von Konjunkturphasen zu interpretieren. Informationsband, Kap. 2.3
  • Frau Arnold hat sich mit den neuesten Daten des Konjunkturbarometers beschäftigt.
  • In der Quartalsbesprechung sollen Konjunkturdaten für absatzrelevante Entscheidungen genutzt werden.
  • Diese Einführung klärt die Grundlagen – danach bearbeitet ihr Arbeitsauftrag 6.
Kap. 2.3.1 · Konjunktur und Konjunkturphasen

Was ist Konjunktur?

  • Setzt man das reale (inflationsbereinigte) Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Beziehung zum Zeitablauf, zeigen sich immer wieder Schwankungen.
  • Das BIP ist die in EUR bewertete Summe aller Waren und Dienstleistungen abzüglich der Vorleistungen.
  • Alle Schwankungen folgen aber einem Trend – dem langfristigen Wachstumspfad der Volkswirtschaft.
Merke

Unter Konjunktur versteht man die Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten in einem Zeitraum von mehreren Jahren.

Vorlage für Arbeitsauftrag 6 a)

Der idealtypische KonjunkturzyklusWelle, vier Phasen und der langfristige Trend – ein Zyklus reicht von Tiefstand zu Tiefstand

Zeit BIP in Geldeinheiten bzw. Veränderung des BIP in % AufschwungHochkonjunkturAbschwungTiefstand Trend (Wachstumspfad) Konjunkturzyklus

Idealtypisch = vereinfacht/gleichmäßig; in der Realität sind Dauer und Stärke der Phasen unterschiedlich. Genau diesen Verlauf zeichnet ihr in Aufgabe 6 a) und beschriftet ihn mit den vier Phasen und dem Trend.

Blitz-Check 1

Kurz nachgedacht: Trend oder Schwankung?

FrageWorum schwankt die Konjunktur langfristig herum – also welche Linie steigt über die Jahre stetig an?

um die Nulllinie um den Trend (Wachstumspfad) um die Preisentwicklung
Richtig: Die Konjunktur pendelt um den langfristigen Trend, den Wachstumspfad der Volkswirtschaft. Mal liegt das reale BIP über, mal unter dieser steigenden Linie.
Vier Phasen im idealtypischen Konjunkturzyklus (1/2)

Aufschwung und Hochkonjunktur

1Aufschwung (Expansion)

Das reale BIP wächst zunächst überproportional, später weniger stark.

  • Kapazitätsauslastung der Unternehmen nimmt zu.
  • Gewinnaussichten verbessern sich.
  • Arbeitslosigkeit nimmt tendenziell ab.
  • Nachfrage nach Investitionsgütern steigt zuerst, nach Konsumgütern später.
  • Preise und Löhne stabil, Zinsen noch niedrig.

2Hochkonjunktur („Boom“)

Das reale BIP erreicht den oberen Wendepunkt und beginnt zu fallen.

  • Kapazitätsauslastung ist hoch.
  • Gewinne der Unternehmen sind hoch.
  • Investitionsbereitschaft nimmt ab.
  • Nachfrage nach Konsumgütern ist hoch.
  • Preise, Löhne und Zinsen steigen.
Vier Phasen im idealtypischen Konjunkturzyklus (2/2)

Abschwung und Tiefstand

3Abschwung (Rezession)

Das reale BIP fällt zunächst überproportional, später weniger stark.

  • Kapazitätsauslastung sinkt.
  • Gewinne gehen zurück.
  • Arbeitslosigkeit steigt.
  • Nachfrage nach Investitionsgütern sinkt, nach Konsumgütern später.
  • Steigerung von Preisen und Löhnen nimmt ab, Zinsen fallen.

4Tiefstand (Depression)

Das reale BIP erreicht den unteren Wendepunkt und beginnt im Idealfall wieder zu steigen.

  • Überkapazitäten werden abgebaut (Insolvenzen).
  • Gewinne bleiben teilweise aus.
  • Arbeitslosigkeit steigt deutlich.
  • Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern geht weiter zurück.
  • Löhne und Preise relativ stabil, Zinsen sinken weiter.
So merkt ihr euch die Phasen

Merkregel und Beispiel

Tipp aus dem Infoband

Die Merkmale der Konjunkturphasen lassen sich logisch ableiten und leichter merken, wenn man immer mit der Kapazitätsauslastung der Unternehmen beginnt.

Beispiel: Aufschwung

Die Kapazitätsauslastung nimmt zu. In Erwartung zusätzlicher Gewinne bauen Unternehmen Kapazitäten aus → die Nachfrage nach Investitionsgütern steigt. In der Folge steigt die Nachfrage nach Personal, die Konsumgüternachfrage wird angekurbelt. Preise, Löhne und Zinsen steigen erst später.

Blitz-Check 2

Welche Phase ist gemeint?

FrageDie Kapazitäten sind hoch ausgelastet, die Investitionsbereitschaft nimmt ab, Preise, Löhne und Zinsen steigen. Welche Phase ist das?

Aufschwung Hochkonjunktur Abschwung Tiefstand
Richtig: Hochkonjunktur. Am oberen Wendepunkt sind die Kapazitäten voll ausgelastet, die Gewinne hoch, die Investitionsbereitschaft lässt nach – und Preise, Löhne und Zinsen steigen.
Kap. 2.3.2 · Grundlage für Arbeitsauftrag 6 d)

Kundenorientierung & Wettbewerb je Phase

PhaseWas bedeutet das für Kundenorientierung und Wettbewerb?
AufschwungExpansionOptimistische Erwartungen kurbeln die Nachfrage an; Preis- und Zinsniveau sind optimal für größere Anschaffungen. Neukundengewinnung muss oberstes Ziel im Verkauf sein.
Hochkonjunktur„Boom“Ausgelastete Unternehmen favorisieren lukrative Aufträge, Preise steigen. Wer jetzt bei sinkenden Arbeitslosenzahlen Neukunden bindet, ist für die kommende Abschwungphase gut aufgestellt.
AbschwungRezessionNachfrage und Investitionen sinken, Überkapazitäten und Arbeitslosigkeit steigen, der Wettbewerb wird härter. Wer seinen Kundenstamm gebunden hat, ist nun der „Gewinner“.
TiefstandDepression„Survival of the fittest“: Überkapazitäten werden abgebaut, Insolvenzen drohen. Kundenbindung gelingt über Zugeständnisse bei Preis/Konditionen oder technische Neuerungen in der Produktpolitik.
Blitz-Check 3

Verkaufsstrategie und Konjunktur

FrageIn welcher Phase sollte laut Infoband die Neukundengewinnung oberstes Ziel im Verkauf sein?

Aufschwung Hochkonjunktur Abschwung Tiefstand
Richtig: Aufschwung. Optimistische Erwartungen und ein günstiges Preis-/Zinsniveau kurbeln die Nachfrage an – ideal, um neue Kunden zu gewinnen, die man in den folgenden Phasen bindet.
Jetzt seid ihr dran

Bereit für Arbeitsauftrag 6

6 a)
  • Idealtypischen Verlauf zeichnen, einen Zyklus kennzeichnen, die 4 Phasen beschriften und den Trend einzeichnen.
  • 6 b) Aktuelle Phase Deutschlands anhand von Konjunkturindikatoren recherchieren.
6 c) · d)
  • 6 c) Mineralwasser-Absatz seit 1980 grafisch darstellen und die Konjunkturabhängigkeit beurteilen.
  • 6 d) Auswirkungen einer Aufschwung-/Boom-Phase auf die Entscheidungen der Markgraf Brunnen GmbH begründen.
Nutzt die Merkmale der vier Phasen und Kap. 2.3.2 als Argumentationsgrundlage.
Zusammenfassung

Konjunkturzyklus – auf einen Blick

  • Konjunktur = Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität (reales BIP) über mehrere Jahre.
  • Die Konjunktur schwankt um den langfristigen Trend (Wachstumspfad).
  • Vier Phasen: Aufschwung → Hochkonjunktur → Abschwung → Tiefstand.
  • Merkregel: immer bei der Kapazitätsauslastung beginnen – der Rest lässt sich ableiten.
  • Die Phase beeinflusst Kundenorientierung und Wettbewerb (Kap. 2.3.2) – wichtig für unternehmerische Entscheidungen.
  • Zum Nachschlagen: Informationsband S. 444–447.