Worum geht es?
Frau Arnold hat sich am Wochenende in der Fachzeitschrift „Wirtschaftswoche“ mit den neuesten Daten des Konjunkturbarometers beschäftigt. In der nächsten Quartalsbesprechung möchte sie mit dem Team über die Konjunkturdaten sprechen, um absatzrelevante Entscheidungen für die Markgraf Brunnen GmbH treffen zu können. Bevor ihr in Arbeitsauftrag 6 selbst mit Konjunkturdaten arbeitet, klärt diese Einführung die wichtigsten Grundlagen: Was Konjunktur überhaupt ist, wie ein Konjunkturzyklus verläuft, woran man die aktuelle Lage erkennt und was das für ein Unternehmen bedeutet.
Was ist Konjunktur?
Als Konjunktur bezeichnet man die regelmäßig wiederkehrenden Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität einer Volkswirtschaft. Gemessen wird sie vor allem am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) – also am Wert aller in einem Jahr hergestellten Waren und Dienstleistungen – sowie an der Auslastung der Produktionskapazitäten. Mal wächst die Wirtschaft kräftig, mal schwächelt sie: Dieses „Auf und Ab“ nennt man den Konjunkturverlauf.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen den kurzfristigen Schwankungen und dem langfristigen Trend: Über viele Jahre betrachtet wächst eine Volkswirtschaft in der Regel (der Wohlstand nimmt zu). Die Konjunktur schwankt um diese steigende Trendlinie herum – mal darüber, mal darunter. Ein Konjunkturzyklus ist eine vollständige Schwingung von einem Tiefpunkt bis zum nächsten Tiefpunkt.
Der idealtypische Konjunkturzyklus
Das folgende Diagramm zeigt einen idealtypischen (also vereinfachten, gleichmäßigen) Konjunkturverlauf. In der Realität sind die Ausschläge unregelmäßig und unterschiedlich lang. Decke die Bestandteile nacheinander auf:
So liest du das Diagramm: Auf der senkrechten Achse steht die reale Wirtschaftsleistung (BIP), auf der waagerechten Achse die Zeit. Die blaue Welle ist der Konjunkturverlauf, die violette gestrichelte Linie der langfristige Trend. Ein vollständiger Zyklus reicht von einem unteren Wendepunkt (Tief) bis zum nächsten und durchläuft dabei die vier Phasen.
Die vier Phasen im Detail
- Nachfrage, Produktion und Beschäftigung nehmen zu.
- Die Kapazitäten werden zunehmend ausgelastet, die Arbeitslosigkeit sinkt.
- Preise ziehen leicht an, die Stimmung wird optimistischer.
- Oberer Wendepunkt: Kapazitäten voll oder überlastet, nahezu Vollbeschäftigung.
- Löhne und Preise steigen kräftig – Inflations-/Überhitzungsgefahr.
- Zinsen sind hoch, danach kann es nur noch abwärts gehen.
- Nachfrage und Produktion gehen zurück, die Kapazitätsauslastung sinkt.
- Die Arbeitslosigkeit steigt wieder, Investitionen werden zurückgestellt.
- Preissteigerungen lassen nach, die Stimmung kippt ins Pessimistische.
- Unterer Wendepunkt: Nachfrage und Produktion besonders niedrig.
- Hohe Arbeitslosigkeit, geringe Investitionen, Zinsen niedrig.
- Von hier aus beginnt – oft mit staatlicher Unterstützung – ein neuer Aufschwung.
Konjunkturindikatoren
Um zu bestimmen, wo eine Volkswirtschaft gerade steht, nutzt man Konjunkturindikatoren. Man unterscheidet Frühindikatoren (laufen der Konjunktur voraus, z. B. Geschäftsklima, Auftragseingänge), Präsenzindikatoren (laufen gleich, z. B. BIP, Kapazitätsauslastung) und Spätindikatoren (reagieren verzögert, z. B. Arbeitslosigkeit, Löhne, Preise). Die folgende Tabelle zeigt die in Aufgabe 6 b) genannten Indikatoren und ihr typisches Verhalten:
| Indikator | im Aufschwung / Boom | im Abschwung / Tief | Art |
|---|---|---|---|
| Arbeitslosenzahl | sinkt ▼ | steigt ▲ | Spät |
| Lohnentwicklung | steigt ▲ | stagniert/sinkt ▼ | Spät |
| Preisentwicklung (Inflation) | steigt ▲ | niedrig/sinkt ▼ | Spät |
| Zinsen | eher hoch ▲ | eher niedrig ▼ | Präsenz |
| Sparquote | eher niedrig ▼ | eher hoch ▲ | Präsenz |
| Zukunftserwartungen der Unternehmen (z. B. ifo‑Geschäftsklimaindex) | optimistisch ▲ | pessimistisch ▼ | Früh |
Konjunkturabhängigkeit von Produkten
Nicht jedes Produkt reagiert gleich stark auf die Konjunktur. Ob der Absatz mit der Konjunktur schwankt, hängt vor allem davon ab, ob ein Gut ein Grundbedürfnis deckt und wie teuer bzw. aufschiebbar der Kauf ist.
Eher konjunkturunabhängig
- Güter des täglichen Bedarfs und Grundnahrungsmittel
- günstig, ständig gebraucht, kaum aufschiebbar
- Beispiel: Mineralwasser, Brot, Strom
Stark konjunkturabhängig
- langlebige, hochwertige oder Luxus-Konsumgüter
- teuer, der Kauf lässt sich verschieben
- Beispiel: Autos, Möbel, Reisen, Investitionsgüter
Auswirkungen auf unternehmerische Entscheidungen
Die Konjunkturphase beeinflusst zahlreiche Entscheidungen eines Unternehmens – von Investitionen über Personal bis zur Preis- und Marketingpolitik. Wer die Lage richtig einschätzt, kann Chancen nutzen und Risiken begrenzen.
Im Aufschwung / Boom
- Kapazitäten ausbauen und investieren
- Personal einstellen, Lager aufstocken
- Preise lassen sich leichter durchsetzen
- Marketing für die Premium-Linie ausweiten
Im Abschwung / Tief
- Kosten senken, Lagerbestände abbauen
- Investitionen zurückstellen, vorsichtig planen
- auf preisgünstige Basisprodukte setzen
- Kundenbindung sichern, Liquidität schonen